Raumakustik / Planung
Der wichtigste Faktor in der Raumakustik, der die Sprachverständlichkeit beeinflusst, ist die Nachhallzeit.
Die Nachhallzeit ist die Zeit, in der ein Schallsignal um 60 dB abnimmt. Sie wird in Sekunden angegeben
und hängt von den Oberflächen im Raum ab. Für die Nachhallzeit sind in [Lit. 1] für unterschiedliche
Raumnutzungen Sollwerte festgelegt. Sie sind vom Raumvolumen abhängig und werden daher in Form von Gleichungen angegeben.
Die Gleichungen haben allgemein folgende Form (nur die Parameter A und B variieren):
LI ≈ LW + 14 + lg T ⁄ V ;mit T = 0,16 * V ⁄ A
TSoll: Sollwert der Nachhallzeit in Sekunden
V: Raumvolumen in m³
Die Parameter A und B nehmen für die unterschiedlichen Nutzungsarten folgende Werte an:
Tabelle: Parameter A und B obiger Gleichung für unterschiedliche Nutzungsarten
Der anzustrebende Bereich der Nachhallzeit ist im Frequenzbereich teilweise unterschiedlich, je nachdem, ob Musik oder Sprache dargeboten wird.
Über weite Teile des Frequenzbereiches ist der Toleranzschlauch identisch und liegt zwischen 0,8 bis 1,2 mal dem in den oben genannten Gleichungen berechneten Wert.
Im hohen Frequenzbereich, ab 2.000 Hz werden auch geringere Nachhallzeiten akzeptiert. Lediglich im Bassbereich sind die Toleranzen unterschiedlich. Für die Nutzung
„Sprache“ ist auch hier die Begrenzung bei Faktor 1,2 gegeben, während für Musik höhere Nachhallzeiten akzeptiert, bzw. sogar gefordert werden.
Des Weiteren sind verschiedene Anordnungen von Absorbern, insbesondere für die Nutzungsart „Unterricht“, als günstig bzw. ungünstig klassifiziert.
Bei größeren Räumen (ab ca. 8 m Länge), wenn eine Sprachrichtung vorherrscht, hat es sich als günstig erwiesen, die Absorber, die an der Decke angeordnet werden,
an deren Außenkanten anzuordnen, um dem Sprachtransport der Vortragenden eine unterstützende Primärreflexion zur Verfügung zu stellen.
Neben der Einstellung der Nachhallzeit wird eine gute Sprachverständlichkeit dadurch erreicht, dass alle Plätze, insbesondere die hinteren, ausreichend mit frühen
Reflexionen versorgt werden. Hierfür ist die Decke die wichtigste Fläche. Deshalb sollte die Decke nicht vollständig absorbierend ausgeführt werden.
Weiterhin muss die Ausbildung von Flatterechos zwischen parallelen Wänden vermieden werden. Es ist von Vorteil, die Rückwand gegenüber dem Standort des Vortragenden
absorbierend auszuführen, um ein Rückwandecho zu vermeiden, da es sonst zu störendem Diffusschall mit Signalverschiebungen von ca. 50 ms und mehr kommen kann.
Dies ist insbesondere für hörgeschädigte Zuhörer (die dies nicht unbedingt wissen!) von ausgesprochenem Nachteil [Lit. 3]. In diesem Zusammenhang ist wichtig,
dass die Sollwerte bei Nutzung durch Hörgeschädigte mindestens 20 % unter den oben aufgezeigten Werten liegen. Ein Unterschreitung des angesprochenen Toleranzbereiches
ist weniger kritisch bzw. sogar wünschenswert, im Gegensatz zu dessen Überschreitung.
Um eine ausreichende Versorgung mit Direktschall zu gewährleisten, sollte der Vortragende von der Bühne, oder einem erhöhten Podium aus sprechen, welches sich mehr
als 2 m vor der reflektierend auszubildenden Stirnwand befindet.
Die Sprachverständlichkeit wird durch das Verhältnis von Sprachsignal (Stimme des Sprechers) zu Gesamtgeräuschpegel (Hintergrundgeräusche) beeinflusst. Je geringer
die Differenz zwischen diesen beiden Pegeln ist, desto schwieriger wird es, das gesprochene Wort herauszuhören und zu verstehen. Der Geräuschpegel setzt sich aus den
Geräuschen im Raum selbst, den Betriebsgeräuschen im Raum (Lüfter, Ventilationssysteme usw.) und den bauseitigen Geräuschen (bspw. aus Nachbarräumen oder von der Straße)
zusammen.
Nach DIN 18041 sind für den zutreffenden Raumtyp („Kleines Auditorium, Hörsaal, Unterrichtsraum“) 3 Parameter einzuhalten, die aussagen, ob mit einer guten
Sprachverständlichkeit zu rechnen ist:
- Deutlichkeitsmaß C50 (Soll: ≥ 0 dB)
- Speech Transmission Index STI (Soll: ≥ 0,56)
- Nachhallzeit T (Soll: s. obere Tabelle)
Lit. 1: DIN 18041, Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen, Mai 2004
Lit. 2: Fasold, W.; Veres, E.: Schallschutz und Raumakustik in der Praxis. Verlag für Bauwesen, Berlin 1998
Lit. 3: Barrierefreies Planen und Bauen, Klassenraumgestaltung für die integrative Beschulung hörgeschädigter Kinder, Carsten Ruhe, wksb 51/2003
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